Fünf Punkte, die dir zeigen, warum du Wert auf die Finanzplanung legen solltest

Das Thema Finanzplanung sollte nicht nur einmalig im Rahmen deines Businessplans aufgegriffen sondern kontinuierlich angepasst und optimiert werden. Anhand einiger Punkte möchte ich dir zeigen, wie du an und mit deinem Finanzplan arbeiten solltest.

Abbildung des Geschäftsmodells in Zahlen

Fangen wir einmal damit an, was die Finanzplanung ganz allgemein überhaupt ist. Im Prinzip bildet sie dein Geschäftsmodell aus finanzieller Sicht ab. Das heißt, dass sich in ihr neben der Wahl der Rechtsform, auch Produkt- und Preisstrategien, Organisationsform und Marktstrategien wiederfinden. Eben aber nicht niedergeschrieben in Prosa, sondern in nackten Zahlen. Das Geschäftsmodell aus dem Businessplan muss sich also auch eins zu eins in deiner Finanzplanung widerspiegeln. Zudem sind die Beziehungen zwischen verschiedenen Umsatz- und Kostenpositionen wichtig. Was heißt das? Nehmen wir beispielsweise an, dass sich die Personalkosten durch Neueinstellungen erhöhen. Dann werden sehr wahrscheinlich auch Investitionen für neue Möbel und Hardware fällig und zum anderen werden sich Kosten für z.B. Lizenzen, Telefonanschlüsse und Lohnbuchhaltung erhöhen.

Dementsprechend sollte sich natürlich auch dein Umsatz erhöhen. Daran erkennt das geschulte Auge, z.B. eines Investors, ob dein Geschäftsmodell wirklich durchdacht ist. Die Finanzplanung ist an dieser Stelle auch Kontrollinstrument, nicht nur in der Gründungsphase, sondern eben auch im laufenden Betrieb. Hier musst du dir immer wieder die Frage stellen: Stimmen meine realisierten Zahlen mit der Planung überein? Ist das nicht der Fall sind die Abweichungen zu hinterfragen, denn nur so bekommst du wirklich ein Gefühl für dein Geschäft. Aus dem Bauch heraus wird das in der Regel nichts.

Der Businessplan sollte nicht der einzige Ort für den Finanzplan sein.

Der Businessplan sollte nicht der einzige Ort für den Finanzplan sein.

Kalkulationsgrundlage

Die Finanzplanung basiert auf Annahmen zu beispielsweise Verkaufszahlen sowie -preisen und Kosten. Sofern noch kein laufendes Geschäft und somit keine Buchhaltungsdaten vorhanden sind, ist es umso wichtiger, dass du dir Gedanken um die Wahl der Annahmen machst und verschiedene Szenarien auf Basis dieser berechnest – zumindest worst, base- und bestcase Szenario.

Ein gutes Beispiel ist die Bestimmung des Finanzierungsbedarfs deines Unternehmens. Hierfür ist die Finanzplanung die wichtigste Grundlage. Stell dir vor du stellst nach einigen Monaten fest, dass du deinen Finanzierungsbedarf falsch kalkuliert hast, weil du beispielsweise dein Produkt günstiger verkaufen musstest als ursprünglich gedacht. Nun stehst du vor dem Problem einer weiteren Finanzierungsrunde. Jede Finanzierung kostet dich nicht nur unglaublich viel Zeit, die du anders verwenden könntest, sondern vor allem auch Geld für Rechtsanwälte, Reisen zu Investoren und ähnliches. Darüber hinaus bleibt die Frage offen, ob du eine weitere Finanzierung erhältst, da natürlich auch das Vertrauen von Investoren/Banken sinkt.

Des Weiteren kalkulierst du mit deiner Finanzplanung die Preise deiner Leistungen bzw. deiner Produkte. Es ist schließlich unabdingbar, dass du einen Preis erzielst, der am Ende natürlich zum einen die Kosten deckt und zum anderen dazu führt, dass du auf Dauer einen Gewinn ausweisen kannst. Für die Bestimmung dieses Preises brauchst du also einen genauen Überblick über deine Kosten. Und zwar nicht nur Stand heute, sondern auch in Zukunft. Ansonsten kommst du schnell in Erklärungsnot, wenn du aufgrund steigender Kosten, ständig dein Preis erhöhen musst.

Und natürlich ist deine Finanzplanung ebenso Grundlage für Investitionsentscheidungen, da sie dir die Informationen liefert wann und in welcher Höhe du dir Neuanschaffungen leisten kannst. Du siehst also, die Finanzplanung ist Grundlage für viele Entscheidungen.

Die Finanzen sollten im Blick behalten werden. Dabei helfen nicht nur Taschenrechner, sondern auch moderne Tools und Experten.

Die Finanzen sollten im Blick behalten werden. Dabei helfen nicht nur Taschenrechner, sondern auch moderne Tools und Experten.

Liquidität im Auge behalten

Eine der wichtigsten Ebenen der Finanzplanung ist die Liquiditätsplanung. Und an dieser Stelle, finden wir, ist eine Statistik angebracht. Einer Erhebung von CB Insights nach, gaben 29% der Startups als Hauptursache Ihres Scheiterns „ran out of cash“ an (hier geht’s zur Quelle). Natürlich kann dies unter Umständen auch eine ordentliche Finanzplanung nicht verhindern. Sie kann dir aber helfen frühzeitig gewisse Risiken zu erkennen und die Chance zu nutzen gegen zu steuern. Liquidität geht vor Gewinn und so ist die Liquiditätsplanung insbesondere für deine Investoren eine entscheidende Informations- und Bewertungsquelle, da diese auch die langfristige Finanzkraft deines Unternehmens aufzeigt. Hier siehst du direkt, was es bedeutet, wenn sich beispielsweise deine Kostenstruktur ändert, Zahlungsausfälle auftreten oder du deinen Kunden Zahlungsziele auf deine Rechnungen einräumst.

Deshalb lohnt es sich im Rahmen deiner Planung verschiedene Szenarien zu durchdenken und deren Auswirkung auf die Liquidität unter die Lupe zu nehmen. So erhältst du unter Umständen auch wieder neue Impulse, um dein Geschäftsmodell zu überdenken oder zu ändern.

Grundlage für das Controlling

Die nächsten Zeilen sind für dich, falls du mit dem Begriff Controlling noch nicht viel anzufangen weißt aber natürlich auch gern als kurze Auffrischung:

Controlling steht nicht für „Kontrolle“, sondern beschreibt das aktive Steuern deines Unternehmens. Du kannst es dir wie einen Kreislauf vorstellen, der aus den immer wiederkehrenden gleichen Phasen besteht. Kurz zusammengefasst sieht dieser Controllingkreislauf wie folgt aus:

Kernaussagen_Controlling_Kreislauf

  1. Du planst
  2. Du setzt deine Planung um
  3. Du sammelst Ist-daten (aus Buchhaltung, Vertrieb, Marketing, etc.)
  4. Du überprüfst deine Ist-Daten auf Richtigkeit/Vollständigkeit
  5. Du analysierst diese Daten, indem du diese mit deinen Plandaten vergleichst (Soll/Ist-Abweichung)
  6. Du ergreifst entsprechende Maßnahmen (Preisänderung, Kosteneinsparungen, Investitionen, etc.) und passt entsprechend dem 1. Punkt deine Planung wieder an

Häufig werden wir nach der Abgrenzung zur Buchhaltung bzw. Steuerberatung gefragt. Also, was machen wir bzw. was macht das Controlling und was macht der Steuerberater? Stell dir kurz vor du sitzt in einem Auto, Hände am Lenkrad und bei voller Fahrt. Dann ist die Buchhaltung/Steuerberatung der Blick in den Rückspiegel. Soll also heißen Buchhaltung/Steuerberater geben dir den Blick zurück, zeigen dir Daten aus der Vergangenheit bis zum jetzigen Zeitpunkt. Das Controlling hingegen sind deine Assistenzsysteme, die dir helfen den Blick auf die Straße und nach vorn zu wahren, schneller ans Ziel zu kommen und vor allem sicher auf der Straße zu bleiben. Ganz wichtig dabei ist zu verstehen, dass das Controlling nicht ohne die Buchhaltung kann und dementsprechend auch von der Qualität der Buchhaltung abhängig ist.

Kommen wir zurück zur Finanzplanung. Diese stellt die Grundlage deines Controllings dar und ist damit Teil deiner Unternehmensführung und -steuerung. Sie dient also dir als Unternehmer zur aktiven Steuerung deines Unternehmens und nicht vorrangig deinem Investor. Mit deiner Finanzplanung kannst du deine Soll- und Ist-Daten miteinander vergleichen und analysieren. Du hinterfragst die Gründe für Abweichungen und ergreifst, darauf aufbauend, entsprechende Maßnahmen. Daraus entstehen neue Annahmen, auf deren Grundlage du deine Planung erneut anpasst. Somit hast du eine neutrale, aussagekräftige Basis statt lediglich einem Bauchgefühl. Du nimmst also aktiven Einfluss auf dein Unternehmen, in dem du sinnvolle Kennzahlen, nicht nur aus dem Finanzbereich, sondern bspw. auch aus dem Vertrieb und dem Marketing, heranziehst, diese analysierst und darauf aufbauend Entscheidungen triffst.

Über die Autorin:

Monika-Loschek_KernaussagenMonika Loschek ist seit über vier Jahren Controllerin und Prokuristin bei der Kernaussagen GmbH (externes Controlling und Berichtswesen). Durch Ihre tägliche Arbeit mit vielen Startups und KMU aus verschiedensten Branchen ist sie Expertin für die Thematik. Mit dem Portal www.finanzplanung-einfach.de unterstützt Kernaussagen junge Unternehmen und KMU  bei der Finanzplanung – alles kostenlos natürlich.

Dir gefällt der Artikel? Na dann ganz einfach weitersagen!

2 thoughts on “Fünf Punkte, die dir zeigen, warum du Wert auf die Finanzplanung legen solltest”

  1. Pingback: Tipps und Tricks für die Investorensuche - Let's talk about Startups
  2. Trackback: Tipps und Tricks für die Investorensuche - Let's talk about Startups
  3. Pingback: Stolpersteine an die Spitze! - Let's talk about Startups
  4. Trackback: Stolpersteine an die Spitze! - Let's talk about Startups

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.